Markus Sepperer

downstream the greyscale

20.06.2012 - 31.07.2012
Markus Sepperer, downstream the greyscale + Mehr Bilder...

Bachverbauung vor Neubaugebiet, Chongqing, 2011

Digitaler Pigmentprint auf Fine Art Papier

Im Nebel der Modernisierung.
Verstörend-poetische Bilder über Chinas Drei-Schluchten-Projekt.

Markus Sepperers melancholische und nebelverhangene Fotografien zeigen Chinas Modernisierung entlang des 600 km langen Drei-Schluchten-Stausees. Er richtet den Blick auf vergessene Geisterstädte und fokussiert auf die Dramatik des Einzelnen vor dem Hintergrund unirdischer und megalomanisch anmutender Stadt- und Industrielandschaften.

„Wenn das Alte nicht geht, kann das Neue nicht kommen“, lautet ein chinesisches Sprichwort. Seit der Fertigstellung des größten Wasserkraftwerkes der Welt im Jahr 2008 ist „das Neue“ in der zentral-chinesischen Provinz Chongqing unübersehbar angekommen. Auf Grund der kommunistischen Partei Chinas´ vorgegebenen „Großen Strategie der Westentwicklung“ überschreiben Umsiedlungs- und Modernisierungsprozesse weiterhin ganze Landstriche und Lebensläufe der Bewohner am 600 km langen Stausee zwischen der Talsperre bei Yichang und der auf 30 Millionen Einwohner angewachsenen Metropole Chongqing. Massenmigration durch Land- und Arbeitsverlust, sowie monokulturelle, zentral geplante Urbanisierung kennzeichnen Menschen, Städte und Umwelt einer ständig von Nebel verhüllten Provinz.

Machtlose Individuen und monochrome Urbanität

Markus Sepperer verdichtet in seinen Fotografien die äußeren Charakteristika dieser Region und beleuchtet auf mannigfache Weise die menschlichen Schicksale ihrer Bewohner. Seine Ausstellung „downstream the greyscale“ (http://downstream-the-greyscale.blogspot.co.at) zeigt durch Umsiedlung und Überflutung transformierte Landschaften, richtet die Kamera auf unvollständig abgerissene und noch nicht endgültig wiederaufgebaute Städte. Sein neugieriger Blick erforscht alte Industrieanlagen, informelle Gärten, zurückgelassene Gegenstände in Abbruchhäusern, gescheiterte Themenparks und begleitet Wanderarbeiter auf der Suche nach einer neuen Identität innerhalb monochromer Urbanität. Die Einbettung der Menschen in vernebelte und größenwahnsinnig anmutende Landschaften ist zentraler Teil seiner Arbeit, er schafft einen gekonnten Spannungsbogen zwischen dem Schicksal des einzelnen Menschen und seiner unausweichlichen Unterordnung in Chinas zentral gesteuerte Gesellschaftsplanung.

Fotobuch

Nach intensiver Recherchearbeit und mit Hilfe von Satellitenkarten bereiste der 35-jährige Fotograf und Musiker 6 Wochen lang in Begleitung eines chinesisch-sprechenden Freundes die Region am Drei-Schluchten-Staudamm. Von den nun zahlreich vorliegenden Fotografien wird ein ausgewählter Teil als digitale Pigmentprints in der Ausstellung zu sehen sein, die gesamte Arbeit fand Eingang in eine Buchpublikation, die auch in der Artbits Galerie präsentiert wird. Link zur Buchvorschau : http://www.blurb.de/books/3257899

Mehrere Auszeichnungen

2010 wurde Markus Sepperer beim Epson Art-Foto Award von einer hochkarätig besetzten Jury aus über 1000 Einreichungen mit einem Preis für die besten Einzelarbeiten ausgezeichnet. 2011 erhielt er den Kulturförderungspreis des Landes Kärnten und im Mai 2012 wurde seine Arbeit mit dem Hauptpreis beim AZW-Photo-Award des Architekturzentrum Wien geehrt. Der gebürtige Kärntner hat am Mozarteum in Salzburg, an der Hochschule für Musik Leipzig, und an der Royal Academy of Music in London studiert. Danach absolvierte er den 3-jährigen Lehrgang für künstlerische Fotografie (FotoK) in Wien.
Seine Werke wurden bereits in zahlreichen Ausstellungen bei Fotofestivals, sowie in Gruppenausstellungen in Wien, Köln, Belgrad, HongKong und Macau gezeigt. Im September werden seine Arbeiten Teil einer Wanderausstellung durch mehrere Städte Chinas sein, welche vom Austro-Sino-Arts-Project (ASAP) organisiert wird.